Über die Grenze
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47. Internat. Leipziger Festival für Dokumentar- u. Animationsfilm
Goldene Taube
19.-24.10.2004

Die Internationale Jury für Dokumentarfilm vergibt für Dokumentarfilme und -videos / Kurzmetrage (bis 45 Min.)

 

eine Goldene Taube an folgenden Film als Serie von Kurzfilmen 

 

Über die Grenze - Fünf Ansichten von Nachbarn 

Paweł Łoziński, Jan Gogola, Peter Kerekes, Robert Lakatos und Biljana Čakič-Veselič (Österreich)

           

Die Zusammenstellung der Filme überzeugt durch sehr unterschiedliche kinematographische Handschriften zum gleichen Thema, das mit Humor und warmen menschlichen Gefühlen behandelt wird.

47. Internat. Leipziger Festival für Dokumentar- u. Animationsfilm
MDR Film Preis
19.-24.10.2004

Der MDR (Mitteldeutscher Rundfunk) vergibt für einen herausragenden osteuropäischen Dokumentarfilm


den MDR-Film-Preis an den Film

 

Über die Grenze - Fünf Ansichten von Nachbarn 

Paweł Łoziński, Jan Gogola, Peter Kerekes, Robert Lakatos und Biljana Čakič-Veselič (Österreich)

 

Dieser Film ist ein osteuropäischer Gemeinschaftsfilm, in einer österreichischen Produktion, von Vertretern fünf neuer EU-Mitgliedsstaaten gemacht: Paweł Łoziński (Polen), Jan Gogola (Tschechien), Peter Kerekes (Slowakei), Robert Lakatos (Ungarn) und Biljana Čakič-Veselič (Slowenien).

 

Dem Film gelingt es in beeindruckender Weise, sowohl in den Einzelteilen als auch in der Kompilation, alte, jetzt aber fließend gewordene, Grenzsituationen in den neuen EU-Mitgliedsländern zu reflektieren und zu beschreiben. Dabei ist jeder Einzelfilm national, mental und auch stilistisch bemerkenswert originell und wirkt auf den Zuschauer sinnlich und philosophisch ausgesprochen erfrischend und erhellend. Zum einen wird national geprägte Kultur und Erfahrung umgesetzt in bizarre, humorvolle Beobachtungen und Situationen, zum anderen wird, durch die in jedem Fall ausgezeichnet gewählten Protagonisten, der gewaltige Gedanken- und Gefühlsprozess in den Menschen ganz verschiedener Herkunft, Vergangenheit und Erinnerung treffend widergespiegelt.

 

Jeder Teil dieses „europäischen“ Films ist ein kleines Meisterwerk und, zu einem Film komponiert, wird uns der Gedanke an ein neues, gewichtiger und reicher gewordenes Europa spielerisch, experimentell und amüsant nahegebracht.

Frankfurter Allgemeine Nachrichten
Hans-Jörg Rother 28.10.2004

Von einem Werk aus dem Haus des Wiener Regisseurs und Produzenten Nikolaus Geyrhalter durfte man dagegen Politisches erwarten. Seit mehr als zehn Jahren behält Geyrhalter den unruhigen Balkan („Das Jahr nach Dayton“) und die Katastrophen Mittelosteuropas („Pripyat“) fest im Auge. Nun hat er fünf junge Kollegen aus Polen (Paweł Łoziński), der Tschechischen Republik (Jan Gogola), der Slowakei (Peter Kerekes), Ungarn (Robert Lakatos) und Slowenien (Biljana Čakič-Veselič) um Geschichten von der durchlässigen EU-Binnengrenze ihrer Länder gebeten. Die Exkursion wird zu einem Exkurs über die Beständigkeit der menschlichen Natur, die sich stets den Gegebenheiten anzupassen versucht.

Über die fünf Episoden des gut zweistündigen Films liegt ein milder, zuweilen heiterer Schleier. Wie zwei alte Bauern auf dem Ostufer der Neiße ihren Lebensabend verbringen, ist eine beinahe lustige Geschichte; wie einstige „Helfer“ der slowakischen Grenzpolizei sich keiner Schuld bewusst sind, einst Flüchtlinge gemeldet zu haben, eine bestürzende andere, und wie slowenische Fischer im schmalen Streifen zwischen den Hoheitsgewässern Italiens und Kroatiens ihren kargen Fang an Bord ziehen, eine absurde dritte. „Über die Grenze“, mit der Goldenen Taube für den besten Kurzfilm ausgezeichnet - eine spitzfindig getrickste Jury-Entscheidung, die man dem Film aber gern gönnt -, mustert ohne vorgefertigtes Drehbuch reale menschliche Verhältnisse im Strom der Zeit.

Leipzig-Almanach
Jörn Seidel
24.10.2004

Ein bisschen gemogelt war die Preisvergabe ja schon. Die Goldene Taube für den besten Dokumentarfilm bis 45 min. ging an Über die Grenze, eine 131-minütige "Reihe von Kurzfilmen", von denen einige, allerdings nicht jeder den Preis für sich allein verdient hätten. Fraglos ist dieses europäische Gemeinschaftsprojekt, das "fünf Ansichten von Nachbarn" renommierter Filmemacher aus fünf neuen EU-Mitgliedsstaaten vereint, in seiner Ganzheit ein Paradebeispiel europäischer Selbstreflexion. Wo sind eigentlich die Grenzen? Wie hatten sie einstmals ausgesehen? Und sind sie heute wirklich verschwunden, wo deren Auflösung von "denen da oben" besiegelt wurde? In den überwiegend komödiantischen Episoden aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien entpuppen sich Grenzen und Ansichten oftmals als Hirngespinster oder verschwimmen zumindest zu reinen Konstrukten - ob aus Erfahrungen in der Geschichte erwachsen oder von wechselnden Ideologien verordnet. Das Gegenteil jedoch, die neue Freiheit mit geöffneten Grenzen, wirkt nicht wesentlich vollkommener. Als der ungarische, stolz-bärtige Gipsy Lajos und sein Geschäftskumpel Lari mit ihrem Kleintransporter durch Wien umherirren, bekommt er zu spüren, dass sich eine Grenze manchmal schon allein in der Intoleranz der Mitmenschen manifestieren kann oder in einem gesichtslosen Ticketautomat. Ein aberwitziger Höhepunkt ist die Szene, als ein Bürgermeister des tschechischen kleinen Grenzorts versucht, die Prostitution herunterzuspielen, während im Hintergrund am Straßenrand eine leicht bekleidete Dame ihrer Tätigkeit nachgeht. Am signifikantesten tritt das Leben mit der Grenze aber in der letzten, der slowenischen Episode auf. Da erzählt der Fischer auf seinem Boot, wo auf dem Radar die alten und neuen Grenzen zu finden sind, und wo man seine Netze nicht mehr auswerfen darf, damit einen die Wasserschutzpolizei nicht aufgreift. Zu sehen ist aber weit und breit nichts anderes als das Meer. Ob Fische wissen, welche Nationalität sie haben? Durch den MDR-Preis wird der Film schon bald im Fernsehen zu sehen sein.

Dresdner Neueste Nachrichten
Norbert Wehrstedt 24.10.2004

"Über die Grenze", fünf wunderbare Kurzfilme aus Polen, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Slowenien über das Leben und Überleben an gefallenen oder imaginären Grenzen. Herausragend: die verschmitzte tschechische Geschichte.

film comment
Alice Lovejoy
Jan/Feb 2005

Final Cut 2004 - 10 Best Films of 2004:

Personal Best

 

Conceived as a response to the entry of 10 new countries into the European Union last May, this omnibus brings together a series of meditations on the idea of the border from Poland, the Czech Republic, Slovakia, Hungary, and Slovenia. The most resonant is Slovakian filmmaker Kerekes's "Helpers". Set on the Slovak/Austrian frontier, it follows a group of men and women who served as volunteer "Border patrol helpers" in the Communist era. Like Kerekes's 2002 feature, 66 Seasons, this short is mindful of yet another border - that between the past and the present - and the way history plays itself out in our daily lives.